Visuelle Motorische Verbesserung - VMV
Spezialanpassungen: Neues Verfahren - ungeahnte Möglichkeiten
Nach einem Schlaganfall oder einer Kopfverletzung können die allgemein bekannten direkten Beeinträchtigungen des Sehens auftreten (z.B. Visus-Verschlechterung, Doppelbilder, Hemianopsie etc.).
Aber auch bei Einschränkungen in der motorischen Fähigkeit kann die Ursache in einer räumlich visuellen Veränderung der optischen Wahrnehmung des Betroffenen liegen. Häufig ist damit eine verschobene Wahrnehmung der eigenen Körpermitte verbunden, die sich durch eine veränderte Körper- und/oder Kopfhaltung ausdrückt oder sich auch durch Fehlinterpretation von Abstand und Lage bestimmter Objekte zeigt. Darüber hinaus zeigt sich oft als weiteres Phänomen, dass sich eine Ebene nach oben oder unten verkippt.
In all diesen Fällen wird die Bewegungsfähigkeit enorm beeinträchtigt, ohne dass der Betroffene als auch seine therapeutischen Begleiter die Ursache direkt mit dem visuellen System in Verbindung bringen können. Sehleistung und motorische Leistung treten somit gegenseitig in Wechselwirkung. Die Folge davon ist eine Verzögerung oder gar Stagnation der reha-therapeutischen Maßnahmen.
Damit sich eine maximale motorische Entwicklung im reha-therapeutischen Bereich einstellen kann, muss ein maximaler Ausgleich des visuellen Gesamt-Systems gegeben sein.
Hier setzt unsere Hilfe an:
Wir fertigen eine individuell für den Betroffenen angepasste Spezial-Brille nach einem von uns entwickelten Verfahren (VMV). Innerhalb des Beratungs-/Anpassungsprozesses (vom Erstkontakt bis zur konkreten Spezialanpassung und regelmäßigen Kontrolle) ist eine Zusammenarbeit mit den behandelnden Therapeuten hilfreich und erwünscht.
Unsere Leistungen
- Ausführliche Anamnese zur Beurteilung von Augen-Dysfunktionen
- Intensive Refraktion nach MKH-Methode
- Praktische Umsetzung von Spezial-Prismen
- Anfertigung von Spezial-Brillen zur möglichen Verbesserung der Motorik
- Erklärung und Anwendung von geeigneten Augen-/Sehübungen
Unsere Beratung und Anpassung stützt sich auf die Qualifizierung durch Diana Ludlam (Forschung in der Neurooptometrie) und Jan Utley (Professorin für Neurologie und ehemalige enge Mitarbeiterin des Ehepaars Bobath). Dieses Konzept ist eingebettet in die Philosophie von Karl und Berta Bobath, die an die Möglichkeit glaubten, dass Menschen mit neurologischen Dysfunktionen ihre motorische Kontrolle vollständig wiedererlangen können. Heute arbeiten viele Reha-Therapeuten auf Basis des Bobath-Konzeptes.
In einem ersten Informationsgespräch (evtl. mit einem Angehörigen und/oder einem Ihrer Reha-Therapeuten) können Sie sich kostenlos und unverbindlich ein umfassendes Bild verschaffen.
Siehe auch folgende Links:
bei Wikipedia
bei Rehabilitation
VMV-Brillen oder „Meine Mitte ist ver-rückt“
Visuelle Probleme nach einem Schlaganfall können vielschichtig sein. Neben den bekannten Störungen bei Hemianopsie, Phorien oder Neglect treten häufig auch Verschiebungen in der Wahrnehmung der eigenen Körpermitte auf. Diese „ver-rückte Mitte“ kann auch dann bestehen, wenn keine sonstigen Sehstörungen festzustellen sind. Dabei äußert sich ein solches Phänomen durch Unsicherheit in der Motorik, da die gefühlte Raumwahrnehmung des Betroffenen mit dem tatsächlichen Raum nicht identisch ist. Eine sogenannte VMV-Brille hilft dabei den „realen“ Raum wieder zu erfassen und leistet für viele Betroffene bisher ungeahnte Möglichkeiten.
Vor 6 Monaten hatte Kurt H. einen Schlaganfall. Von heute auf morgen war alles anders. In der Klinik diagnostizieren die Ärzte folgende Funktionsstörungen:(Hemiparese re, Aphasie, Apraxie, Hemianopsie rechts, Neglect für die rechte Seite). Im Anschluss befindet er sich mehrere Wochen in verschiedensten stationären und ambulanten Rehabilitationseinrichtungen. Dort wird intensiv mit ihm daran gearbeitet, wieder Unabhängigkeit und Selbständigkeit in sein Leben zu bringen. Kurt H. ist zuversichtlich. In den ersten Wochen macht er große Fortschritte – doch nach einer gewissen Zeit verlaufen weitere Entwicklungsschritte eher schleppend. Und das trotz seiner hohen Motivation und den intensiven Bemühungen seiner Ärzte und Therapeuten. Kurt H. wird ungeduldig und ist frustriert. Seine zeitweise auftretenden Depressionszustände verstärken sich. Er ist immer weniger motiviert und in Folge stellt sich eine Stagnation der Reha-Maßnahmen ein. Auch seine nahen Angehörigen sind ratlos und leiden unter der Situation. Seine Ärzte und Therapeuten sind bestrebt ihn mit all ihren zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erneut zu mobilisieren.
Wie Herrn Kurt H. ergeht es vielen Menschen nach einem Schlaganfall oder auch einem Schädel-Hirn-Trauma. Eine wesentliche Ursache ist eine visuelle-räumliche Problematik. Diese äußert sich häufig in Form einer Hemianopsie (Gesichtsfeldausfall) oder eines Neglects (nicht bewusst sein einer Körperhälfte), aber auch eine veränderte Raumwahrnehmung ohne eines dieser vorher genannten Krankheitsbilder ist möglich.
Und genau hier setzt das Verfahren der VMV an. VMV steht für „Visuelle-motorische Verbesserung“ und wurde von dem Augenoptikermeister und Sehtrainer Martin Mütsch entwickelt. Nach einem Seminar bei der amerikanischen Professorin Diana Ludlam hatte Martin Mütsch die Idee, Spezialbrillen maßgeschneidert anzufertigen. Dabei dachte er an Dauertrage-Brillen mit individuell auf die Problematik von hirnverletzten Menschen bzw. Menschen nach einem Schlaganfall abgestimmten Gläsern.
Im Gespräch mit Herrn Mütsch erläutert er nachfolgend die einzelnen Schritte seiner augenoptischen Spezialanpassung.
Mein Konzept beinhaltet 7 wesentliche Schritte zur erfolgreichen Anpassung und Beratung (Gesamtdauer 3-4 Stunden):
1. Erstgespräch mit ausführlicher Anamnese
Hier verschaffe ich mir einen umfassenden Überblick über die Situation des Kunden. Die Beschreibung des bisherigen Weges vom Eintreten des Schlaganfalls bis heute liefert wichtige Informationen – besonders wichtig ist hierbei die eigene persönliche Einschätzung und Wahrnehmung des Krankheitsbildes der betroffenen Person. Relevant sind auch die Einschätzungen und Schilderungen von Personen im Umfeld. Ehepartner, Kinder usw. nehmen durch den ständigen Kontakt mit dem Betroffenen oftmals Dinge wahr, die ihm selbst nicht bewusst sind, jedoch sehr wichtig sind für die Gesamteinschätzung seiner Alltagssituation. Um am Ende ein optimales Ergebnis der Anpassung zu erzielen, kläre ich gemeinsam mit dem Kunden und seinem Umfeld die Erwartungen und die Bereitschaft und Motivation zur Verbesserung mit Hilfe des Verfahrens VMV. Es folgt eine detaillierte Anamnese anhand eines von mir zusammengestellten Diagnosebogens. Darin beinhaltet sind Fragen zum Krankheitsbild, zu den Symptomen, sonstigen vorliegenden Krankheiten etc.
Mit diversen speziell dafür entwickelten Übungen und Instrumenten teste ich mit dem Kunden „die persönliche Mitte“, Raumempfindung, Fixation von bewegten Objekten, kognitive/visuelle Probleme, „Führungsauge“ usw.
Desweiteren beschäftigen wir uns mit dem Bereich Motorik und Körperhaltung. Durch Beobachtung und Rücksprache mit meinem Kunden und dessen Begleitperson kläre ich, ob es eine „Problemseite“ gibt und in welcher Ausprägung sich dies im Alltag zeigt. Kopfhaltung und Hüftstellung sind weitere wichtige Aspekte aber auch die Fähigkeit zur Punkt-Fixation und inwieweit die motorischen Abläufe selbstständig verrichtet werden können bzw. wo Hilfe benötigt wird. Dabei kann ich die Ausprägung eines eventuellen Neglect oder einer Hemianopsie hinsichtlich der anschließenden Anpassung abwägen.
2. Automatische Refraktion
Es folgt eine objektive automatische Refraktionsbestimmung, die einen ersten Hinweis gibt auf die Höhe der Fehlsichtigkeit in Bezug auf Myopie, Hyperopie oder Astigmatismus. Aufgrund dieser Messung, die nur wenige Sekunden dauert, kann die subjektive Refraktion nach MKH beschleunigt werden, um die kürzeren Konzentrationsphasen des Betroffenen nicht über Gebühr zu strapazieren.
3. Refraktion nach MKH
Bei der Mess,- und Korrektionsmethode nach Haase (MKH) wird zusätzlich zu einer genauen Brillenglaskorrektion eine eventuelle Heterophorie erkannt und wenn nötig korrigiert. Notwendig ist diese Korrektion bei auftretenden Doppelbildern oder asthenopischen Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen oder Muskelverspannungen. Dies ist die Grundbedingung für die weiteren Schritte.
4. Auswahl geeigneter Yoged Prismen
Mit dem Ausschluss-Test-Verfahren ATV wird die Höhe und Richtung von sogenannten Yoged Prismen (Spezialprismen) bestimmt. Als Ergebnis des ATV kann die subjektiv vom Kunden gefühlte Wahrnehmung seiner Körpermitte der tatsächlichen Mitte angepasst werden. Darüber hinaus wird ein eventuell nicht wahrgenommener Bereich des Gesichtsfeldes in den sichtbaren Bereich verschoben. Somit wird bei Neglect und/oder Hemianopsie die bisher unterdrückte bzw. nicht sichtbare Seite ins wahrnehmbare Gesichtsfeld gerückt.
5. Prüfung der Yoged Prismen
Durch ständiges vergleichen unterschiedlichster Parameter auch in Bezug auf die motorischen Komponenten wird eine durch unterschiedliche Kriterien und Prüfungen festgestellte, maximale Verbesserung erreicht. Oftmals ist in dieser Phase eine Veränderung der Kopf- und/oder Hüftstellung bereits schon zu diesem Zeitpunkt zu beobachten.
6. Rechnerische Ermittlung der VMV-Korrektion
Eine Verrechnung der unterschiedlichen Ergebnisse in Bezug auf Fehlsichtigkeit, Winkelfehlstellung und Spezialprismen nach einem definierten Verfahren ergibt einen Gebrauchskorrektionswert der in eine entsprechende Brillenfassung unter Berücksichtigung der Kopf- und/oder Hüftstellung, der Pupillendistanz und des Abstandes zwischen Augenhornhaut und Brillenglas, eingeschliffen wird.
7. Fertigung und Endanpassung der VMV-Brille
Nach Fertigstellung der Brille erfolgt der spannendste und meist sehr aufregende Moment für den Kunden und auch für mich. Was verändert sich spontan durch das Aufsetzen der Brille? Wie fühlt er/sie sich damit? Ist die „gefühlte“ Raumwahrnehmung mit dem tatsächlichen Raum identisch? Eventuell werden erste eigenständige Gehversuche unternommen. Durch entsprechende Übungen prüfe ich, wie der Kunde mit der Brille zurecht kommt und ob die gewünschten Erwartungen auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt eintreten bzw. sich erste Anzeichen hierfür zeigen.
Anhand diverser Methoden erfolgt eine Prüfung über die Qualität der bislang erfolgten Interventionen, um sicherzustellen dass die gewünschte Änderung in verschiedenen Alltagssituationen wirksam ist. Ich beobachte und vergleiche hierbei die Ausgangssituation und die nun sich darstellende Ist-Situation.
Gemeinsam definieren wir anschließend die Dauer der notwendigen Eingewöhnungszeit. Über die kommenden Wochen und Monaten besteht mit dem Kunden ein regelmäßiger Austausch. Hierbei bin ich ständiger Ansprechpartner, um eventuell auftauchende Fragen zu klären und gemachte Erfahrungen zu besprechen aber auch um entsprechend des Genesungsprozesses die Brille bei Bedarf auf die veränderten Bedingungen anzupassen.
Ich weise auch darauf hin, dass nach dieser Brillen-Anpassung ein Austausch zwischen den behandelnden Ärzten und/oder Reha-Therapeuten und mir im fortlaufenden Prozess zu weiteren Entwicklungsschritten beitragen kann.
Darüber hinaus kann es auch in bestimmten Fällen sinnvoll und unterstützend sein ein speziell darauf abgestimmtes Augentraining vorzunehmen. Hierbei bediene ich mich meiner Erfahrungen als Sehtrainer.
Aus meinen bisherigen Erfahrungen, die ich in vielfältiger Art und Weise machen konnte, ergibt sich vielerlei positive Resonanz auf unterschiedlichsten Ebenen. Bei den Kunden sind folgende Veränderungen wahrzunehmen: Neben der konkreten Verbesserung des Visus (Sehschärfe) konnten Doppelbilder bei Phorien (Fehlstellungen) optisch ausgeglichen werden. Es entsteht eine oftmals sogar sofort sich einstellende Sicherheit durch eine Anpassung der tatsächlichen mit der gefühlten Körpermitte.
Im Zuge dessen ist es möglich, die Betroffenen stärker geistig zu fordern und zu fördern. Eine bislang eingenommene ungünstige Körperhaltung verändert sich positiv, die Grob- und Feinmotorik wird spezifischer. Somit können diese Menschen wieder stärker aktiv am Leben und dem sich um sie herum abspielenden Alltag teilnehmen. Die Reha-Prozesse werden dadurch oftmals beschleunigt und optimiert. Die betroffenen Menschen sind nun nicht mehr im bisherigen Umfang an Unterstützung von Ihrem Umfeld angewiesen.
Viele der Betroffenen berichten nach dieser Anpassung über ein sofort sich einstellendes Gefühl von mehr Sicherheit sich im Raum zu bewegen. Beim Gehen oder Verrichten von feinmotorischen Bewegungen ist dies auch von außenstehenden Personen deutlich zu erkennen.
All diese Dinge bewirken ein positiveres Lebensgefühl, den Glauben das Leben wieder ein Stück selbst gestalten zu können und entlastet ungemein.
Darüber hinaus erfahren hierbei auch die Angehörigen bzw. nahestehenden Personen im direkten Umfeld des Betroffenen eine Entlastung in körperlicher, psychischer , zeitlicher und finanzieller Hinsicht. Auch für sie entsteht wieder mehr Lebensqualität und Gestaltungsspielraum.
Beispiel
Nach einer Woche Eingewöhnungszeit mit der VMV-Brille erhielt Martin Mütsch vom Sohn des o. g. Kunden, Kurt H., folgende Zeilen per E-Mail mit einem beigefügten Foto seines Vaters: „... Die neue Brille hilft enorm, dass sich mein Vater sicherer fühlt. Wir haben auch das Gefühl, dass er seine rechte Hand nun häufiger benutzt. Der Unterschied ist klar erkennbar. Er stößt sich seit er die neue Brille hat fast nirgendwo mehr an ...“
Für die Veröffentlichung des Fallbeispiels bedanke ich mich recht herzlich bei Herrn Kurt H. und seiner Familie!
Herzliche Grüsse Martin Mütsch
Bei nachfolgenden Abbildungen handelt es sich um zu vervollständigende Zeichnungen als Aufgabenstellung an einen meiner Schlaganfall-Kunden mit einem Neglect rechts. Beide Zeichnungen wurden zeitlich direkt nacheinander von Herrn Kurt H. angefertigt. Zuerst mit seiner bisherigen Brille und anschließend mit seiner neuen VMV-Brille (ohne Eingewöhnungszeit). Direkt nach Aufsetzen der VMV-Brille wurden folgende Bilder erstellt.
Schauen Sie sich bitte folgende Zeichnung als PDF an:
Beispiel - meine Mitte ist verrückt [51 KB]

